Nachts, 2:30 Uhr in Velbert. „Was habe ich mir da nur angetan?“, frage ich mich und schaue derweil auf das neben meinem Bett aufgebaute Gepäck. „Ok, Punkt 1 so viel kannst du doch für eine Woche nicht eingepackt haben und Punkt 2, Dan was bitte hast du aus dem CVJM nicht mitgenommen? Die Jugendfreizeit hatte da doch auch nur eine Kiste mit Material stehen ;)“

Es geht gleich für eine Woche nach Österreich, auf den Rojachhof nach Kärnten und die Vorfreude nimmt genauso zu wie die Aufregung. Gut, immerhin habe ich einen genügend großen Kofferraum im T6, dem nennen wir es Auto mit dem Wendekreis eines Öl-Tankers.

Um kurz nach 5:00 Uhr ist alles gepackt und es geht los Richtung CVJM, genauer gesagt geht es ganze 1,2 km weit, denn auf einmal poltert es im ganzen Auto und irgendwas rollt umher. Als ich meine Halluzinationen ausgeschlossen und mir bereits erste Ausreden parat gelegt hatte warum ich es tatsächlich geschafft hatte das Auto kaputt zu machen fiel mir ein in den Kofferraum zu schauen. Die ganzen Activity-Kügelchen flogen im ganzen Fahrzeug umher. Als ich bis auf eine Kugel, vielen Dank an dieser Stelle an Kathi, die die letzte Kugel gefunden und gekonnt gestoppt hat, alles wieder eingesammelt und meines Erachtens gut verstaut hatte ging es erst zum CVJM und dann nach Blumen Schley, dem Treffpunkt zur Abfahrt.

Nach und nach trudelten alle Teilnehmer mit Ihren Eltern ein und verteilten sich auf die Autos. Sorry an dieser Stelle an Annika, die ich auch aus 20 cm Entfernung nicht mehr erkannt hatte. Siehst du, du hättest einfach mehr zu VIP kommen sollen. ;)

Nach Papierkram und den üblichen Spielchen „Ich will aber mit dem im Auto fahren" war alles verteilt, mehr oder minder gekonnt gepackt und es konnte losgehen. Wobei das Navi irgendwie noch im Tiefschlaf war. Für 900 km Strecke etwas über 8 Stunden Fahrzeit?! „Geil", dachte ich. "18:00 Uhr Abendessen, 15:00 Uhr geplante Ankunft, da kann ich mir ja richtig Zeit lassen.“ Das mit dem Zeit lassen hatte sich dann spätestens in Köln erledigt, denn die ganzen Laster, die Sonntag nicht fahren durften, waren durch Autos, Reisebusse, Motorräder und alle anderen fahrbaren Untersätze ersetzt worden sowie mit Eltern, Kindern und Gepäck dermaßen vollgepackt, dass man sich teilweise die Frage stellen konnte ob bei manchen jemals eine Rückreise geplant war.

Da ich beschlossen hatte mit den Fotos nicht bis Österreich zu warten kamen mir diese neuartigen Dinger, ich glaube man nennt sie Starenkästen, sehr gelegen. Einer davon hatte auch mein Auto erspäht und schoss prompt einen Schnappschuss. „Yippie, die Reise beginnt ja klasse…“. Ich hatte dies selbstverständlich alles nur deshalb getan damit meine tief schlafenden Insassen wach werden. ;)

Ich bin weiterhin beeindruckt von Lara, die im Auto pennen kann auch wenn nebenan Presslufthämmer losgehen....

Wo sich die anderen drei Autos befanden konnte man fast den gesamten Weg nur raten. Ab und an sah man mal einen, aber jeder fuhr seinen, für sich persönlich geeigneten, Stil. Hauptsache war heil und gesund ankommen. Apropo ankommen, das hatte das Navi mittlerweile auch begriffen denn die Zeit rinn nur so weg. Erst 16:00, dann 17:00, später 18:00 und schließlich 19:00 Uhr. Nach ca. 12 Stunden Fahrzeit waren wir tatsächlich die Ersten, die am Rojachhof ankamen und ja aus irgendeinem Grund hatte mein Navi die Schotterstrecke ausgewählt. ;)

Mit der Grenzüberschreitung nach Österreich, Anekdote dazu beim Absatz über die Rückfahrt, kam irgendwie Urlaubsstimmung auf. Man sah die Berge und alles rund herum war vergessen. Als wir uns schließlich am Rojachhof ein wenig eingerichtet hatten war dann auch mal das für eigentlich 18:00 Uhr geplante Abendessen an der Reihe. Kurze Meinungsäußerung: „Dan, ich bin weiterhin neidisch auf dich, dass du da 5 Wochen verbringen kannst. Ich bin sehr für 2 Wochen 17+ Freizeit kommendes Jahr.“

Im Laufe des ersten Abends, der mit Kennenlernspielen und einer kleinen Andacht zu Ende geführt wurde, kamen auch die Fahrer, mich eingeschlossen, endlich in Österreich an und dachten nicht mehr über die Fahrt, die Baustellen, die Maut und alles andere nach. Wir sind hier im Urlaub, also lasst uns Diesen bitte auch leben.

Nächster Tag, erste Wanderung. Das dies einer der aufregendsten Tage überhaupt werden sollte konnte am Morgen noch niemand ahnen. Nach einem ausgiebigen Frühstück, bei dem ich auf zwei Dinge eingehen muss, konnte die Abfahrt Richtung erster Bergtour losgehen.

Zuerst mal war das Frühstück einfach der Hammer. Ich hätte da auch gerne 3 Stunden gefrühstückt, aber Dan wollte uns ja was von Österreich zeigen. ;) Zum anderen, nein es waren keine Pizzabrötchen auch wenn das manche vermutet haben. Sie sahen nur so aus und hatten teilweise die gleiche Färbung.....

Zurück zur Bergtour. Die Autofahrt dahin war schon eine echte Bergtour, darum nochmal Kompliment an alle, die den Berg raufgefahren sind. Straßen waren das ja nicht unbedingt und wir saßen nun auch nicht gerade in einem Smart. Außerdem konnte mir meine „Wüstenkleidung“, man hat mich tatsächlich als „Großwildjäger“ bezeichnet, da auch nicht bei helfen. Oben angekommen hat die wunderschöne Aussicht aber für vieles entschädigt.

Die Tour an sich, laut Dan ein kleiner Spaziergang, war aber wirklich wunderschön und man sich an vielen Stellen nicht satt sehen können. Österreich ist einfach ein toller Ort zum Urlaub machen, um Dinge zu erleben und sich einfach vom stressigen Alltag zu erholen.

Die erste Einkehr fand in der Millstätter Hütte statt, wo wir uns bei Zitat Gabi: „Truckerportionen“ den Bauch vollschlagen konnten. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis zum neuen Lieblingsgetränk. Dieser Hollersaft ist einfach genial. :)

Weiter ging es zum Gipfelkreuz. Oben angekommen gab es eine spitzen Aussicht und den Willen nun auch noch den „Rest“ anzugehen. Für viele von uns ging es dann auch bis zum Ende, für mich allerdings nur bis zur nächsten Anhöhe Richtung Granattor. Da kam meinem Knie die letzte Stufe in die Quere und ich durfte mit einem Helikopterflug den Weg nach unten antreten. Darüber redet der CVJM noch in 10 Jahren. ;)

An dieser Stelle eine Danksagung an den Rojachhof, die mich aus dem Krankenhaus abgeholt und an alle Teilnehmer und Teamer, die mich umsorgt und dennoch überall hin mitgenommen haben.

Für die anderen ging es weiter über Wege, unter Stacheldraht, durch Wiesen und Felder Richtung Endstation. Dabei begegnete man noch einem Bauern, der Hilfe bei einem kaputten Zaun brauchte und einem Jäger, der sich wahrscheinlich auch dachte was die Gruppe denn da abseits des Wanderweges macht. Am Ende sind alle heil wieder im Hof angekommen und das ist die Hauptsache. An dieser Stelle war in mehreren Punkten Gott ganz nah bei uns und hat uns auf unserem Weg begleitet.

Tag 2 stand im Zeichen des Sonnenbalkons und eines entspannten Nachmittages im Seebad. Die Zeichen standen vorneweg allerdings erst einmal wieder auf Serpentinen, denn man muss erst einmal hochkommen um eine schöne Aussicht zu genießen. Glücklicherweise hatten wir Dan, der die Parksituation am Balkon sehr gekonnt ausgenutzt hat. ;)

Der Balkon an sich spricht für sich selbst und man muss darüber keine weiteren Worte verlieren. Jeder muss sich das einmal in Natura anschauen. Bilder können leider immer nur einen kleinen Teil des wirklich überwältigenden Eindrucks vermitteln.

Am Nachmittag war zum ersten Mal Entspannung im Seebad angesagt. Unter der Woche konnten sich alle mehrmals entweder in Döbriach oder aber am Weissensee in die Sonne legen, schwimmen gehen, von Klippen ins Wasser springen, mit Bötchen fahren oder einfach nur auf Badeinseln entspannen. Das Sonnenschutz nicht unbedingt die schlechteste Wahl war konnten wir am Abend an diversen Krebsarten beobachten. ;)

Mein persönliches Highlight war der Weissensee, als höchst gelegener Badesee Österreichs eine absolute Augenweide. Nächstes Jahr ist dort auch fest ein Tauchkurs eingeplant, nicht wahr Timon und Arne? In diesem Jahr wollte man uns irgendwie nicht lassen, solch eine Unverschämtheit. ;)

Das man auch auf anderen Wegen Berge „erklimmen“ kann konnte ich aufgrund meines Knies die Woche ebenfalls feststellen. Danke an Timon für die Begleitung. Die Bergbahn fuhr uns für sage und schreibe 20,00 € bis hinauf zum Goldeck. Entspannung pur, aber bei Höhenangst die absolut falsche Wahl. Wobei man Höhenangst gerade in den Bergen auch sehr gut entgegenwirken kann. Runter geht es vom Goldeck unter anderem als Paraglider. Ich bin ja immer noch am überlegen ob ich das nächstes Jahr nicht in Angriff nehme. Kommt wer mit?!

Die Aussicht von da oben ist, wie überall in Österreich, phänomenal und die Portionen, ich erinnere da mal an die Topfenknödel, waren auch nicht zu verachten.
Ganz zu schweigen von der absoluten Gastfreundschaft, denn wo erlebt man es heutzutage noch, dass eine Bedienung aus einem Lokal anbietet einen mit seinem Auto den Berg runter zu bringen.

Für unsere Sportbegeisterten durfte eine Mountainbike-Tour auf dieser Reise nicht fehlen und wenn Dan schon sagt, dass diese nicht ohne ist dann will das was heißen. Ich zolle hier allen absoluten Tribut, die es bis ganz nach Oben geschafft haben. Ihr seid einfach die Helden dieser Freizeit, egal ob teilweise geschoben worden ist oder nicht. Wichtig ist, dass Ihr angekommen seid und das kann euch niemand mehr nehmen. Bedeutet aber auch, dass Ihr nächstes Jahr die Vorreiter für diese Tour seid und noch mehr Leute dafür begeistern müsst. ;)

Abseits der ganzen Aktivitäten, die sich noch durch Stadtbummel, leckeren Kuchen, der Raggaschlucht, einer Likörverkostung und der Hofgeschichte ergänzen lassen, gab es jeden Abend auch eine gewisse Zeit um uns mit Gott zu beschäftigen.

Jeder Teamer sowie Lennart, der sich spontan zu einer Andacht entschieden hat, konnten einen Abend mit Ihren Eindrücken, mit Ihrem Weg mit Gott füllen. Jeder Abend hatte seine eigene Emotionalität, jeder war ergreifend und in jedem hat sich jeder ein Stück selber wiedergefunden. Ich fand es klasse wie offen jeder war, wie ungeniert aus den jeweiligen Leben erzählt wurde und wie viel man von sich doch preisgeben kann wenn das Umfeld und der Zeitpunkt passend sind.

Wie ich finde hat das Teamgefühl, was eh schon sehr gut gewesen ist auf der Freizeit, durch die Andachten nochmals an Stärke gewonnen.

Nach dieser Woche muss auch eine Rückfahrt her und man kann gut und gerne behaupten, dass sehr viel Wehmut dabei gewesen ist. Den Hof zu verlassen, Österreich den Rücken zu kehren und wieder in ein Leben zurück zu kommen wo man eigentlich noch nicht wieder hin möchte. Nichts desto trotz musste es sein und bei der Rückfahrt mussten selbstverständlich auch wieder Dinge passieren mit denen keiner gerechnet hat.

Das das Navi auf der Rückfahrt unbedingt schlauer als auf der Hinfahrt gewesen ist kann ich leider nicht mit Ja beantworten. So viele Dörfer und Seitenstraßen hatten wir auf der Hinfahrt nicht gesehen. ;) Auch waren wir kurz in Deutschland um den 70 minütigen Stau an der Grenze zu umfahren. Was uns nicht bewusst gewesen ist war, dass das Navi uns dennoch an der Hauptgrenze wieder auf die Straße zurückführt, vorbei an extrem gut gesicherten Grenzpatrouillen.

Nachdem der erste Schock verflogen war und wir tatsächlich mit den ganzen alkoholischen Mitbringseln im Kofferraum nicht durchsucht worden waren setzten wir die Reise entspannt fort. Die Ankunft erfolgte zwar erst nach 12,5 Stunden Fahrzeit, aber der Song „Ein Hoch auf unseren Busfahrer“ hat doch für alles entschädigt. Danke an Kira, Jana, Timon, Lara, Mü und dem Rest, den ich vergessen habe…. Ihr wart echt klasse Mitfahrer. :)

Damit kann man sich nur auf das nächste Jahr freuen. 2018 wieder in Österreich, wieder auf dem Rojachhof bei Stefan, der uns wahrscheinlich schon sehnsüchtig erwartet. ;) Hoffentlich auch wieder mit vielen Leuten aus diesem Jahr, ebenso mit vielen Neulingen, die ebenfalls das erleben sollen, was wir dieses Jahr erlebt haben. Eine tolle Freizeit mit tollen Gesprächen, tollen Teilnehmern, einem tollen Team und jeder Menge toller Aktivitäten.

Wir müssen nur noch eine Petition einreichen, dass die Reise das kommende Jahr 2 Wochen dauert, denn eine Woche ist ganz klar zu kurz um alles erleben zu können.

Bei der Reise kommendes Jahr wird hingegen auch etwas Wehmut mitfahren, denn Kathi wird uns wohl oder übel nicht mehr begleiten. Ihr FSJ ist vorbei und wenn man bedenkt wo Sie am Anfang des FSJs stand ist Sie in dem Jahr unfassbar gewachsen.

Liebe Kathi wir wünschen dir auf diesem Weg alles Gute und viel Glück für dein weiteres Leben. Das du deinen Wunschstudienplatz erhälst und uns immer mal wieder besuchen kommst. Halte uns auch durch die Postkarten in guter und schöner Erinnerung.

Zum Abschluss an alle Teilnehmer ein dickes Dankeschön für eine geniale 17+ Freizeit!

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